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Archiv der Kategorie Musikszene
Ein Weinbotschafter mit Stimm-Gewicht
26.8.2008 von Lucky Sultan.
Fernseh-Liebling und Opernsänger Gunther Emmerlich ist nicht nur ein bekennender Weinfreund, der sich dem mitteldeutschen Weinanbaugebiet besonders verbunden fühlt. Vielleicht weil er auch häufiger dabei Tropfen von Saale-Unstrut genießt. „Immerhin muss ich genau darauf achten, welche Flüssigkeiten meinen Kehlkopf passieren, denn das ist mein wichtigstes Handwerkzeug“, kommentiert der Mann mit der dunklen Stimme seine Sympathien gegenüber den fruchtigen und frischen Weinen aus der Saale-Unstrut-Region. Nun soll diese Leidenschaft auch offiziell gepflegt werden, denn Gunter Emmerlich ist jetzt „Botschafter des Saale-Unstrut- Weines“. Im Rahmen der Großen Saale-Unstrut Weinverkostung in Freyburg wurde der Künstler als Weinbotschafter vorgestellt und präsentiert.
Die Gebietsweinkönigin Marika Böhme begrüßte ihren neuen Kollegen und überreichte die offizielle Berufungsurkunde. In der folgenden Verkostung überzeugten die gebietstypischen Eigenschaften der Saale- Unstrut-Weine den Sänger einmal mehr. Die Degustation thematisierte das Terroir der hiesigen Weine, was nicht nur den Boden meint, sondern auch andere Einflüsse auf den Rebstock wie Klima, Sonneneinfallswinkel, Hanglage, Wasserhaushalt sowie die nachbarschaftliche Flora und Fauna. Diese speziellen Faktoren machen jedes Naturprodukt unverwechselbar. An Saale und Unstrut sind es etwa die Muschelkalkund Buntsandsteinböden, die zum typischen Geschmack der hiesigen Weine beitragen.
(Quelle: Weinbauverband Saale-Unstrut / Pressebüro Lies)
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Jimi Hendrix, Fehmarn und das nicht erreichte Rentenalter
2.3.2008 von Lucky Sultan.
Am 27. November 2007 wäre James Marshall “Jimi” Hendrix 65 Jahre alt geworden, hätte also das Rentenalter erreicht. Hätte - aber der Gitarrist und Sänger starb bereits im Alter von 27 Jahren, konkret am 18. September 1970 in einem Londoner Hotel. Die Umstände sind bis heute mysteriös geblieben. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte der Musiker aber wenige Tage zuvor in Deutschland, nämlich auf der Ostseeinsel Fehmarn auf einer Wiese des Landwirtes Störtenbecker in der Nähe des Leuchtturms Flügge. Ebendort erinnert heute ein Gedenkstein an Jimi Hendrix. In seiner Heimatstadt Seattle ist ihm ein Museum und ein Park gewidmet, dort, wo sich einst das Establishment distanziert verhielt. Denn er war unbequem, hemmungslos, oft unbeherrscht. Das Gitarrenspiel aber beherrschte er herausragend, er prägte einen neuen Sound der E-Gitarre und gab dem Solospiel auf diesem Instrument einen neuen Stellenwert. Der Rockmusik zudem progressive experimentelle Weichenstellungen.
Ich war beim letzten Hendrix-Auftritt damals auf Fehmarn dabei, saß nur wenige Meter vor der Bühne in einem abgesperrten Areal, von wo ich Fotos machen konnte. “Bewacht” wurde ich dabei von Rockern der “Hells Angels”, die sich das “Ordnungshüter-Regime” erkämpft hatten und die Leute nach Lust und Laune gnadenlos schikanierten. Und die schon Teile der Bühne verfeuert hatten, am Ende ganze Wohncontainer in Flammen aufgehen ließen…
Zu Jimi Hendrix: Nach schwieriger Kindheit und frühem Rausschmiss beim Militär wird James Marshall Hendrix in den Sechzigern zunächst wegen seiner Fingerfertigkeit von Künstlern der Soul- und Blues-Szene als Begleitmusiker engagiert, etwa von Ike & Tina Turner, B.B.King, Little Richard, den Supremes oder Wilson Pickett. In der Kultstätte des schwarzen Blues & Soul, im legendären Apollo-Theater in Harlem, gewinnt Hendrix einen Wettbewerb, formiert bald eigene Bands. Chas Chandler, Ex-Bassist der “Animals” nimmt den kreativen experimentier-freudigen Gitarristen mit afroamerikanischer und indianischer Abstammung unter seine Fittiche - “The Jimi Hendrix Experience” (mit Mitch Mitchell und Noel Redding) wird aus der Taufe gehoben.
Hendrix feiert große Erfolge: “Hey Joe”, “Purple Haze”, “The Wind Cries Mary”, “Bold As Love”, “Voodoo Child” oder “All Along the Watchtower”. Spektakuläre Festival-Auftritte steigern die Popularität. Beim Montery Pop Festival verbrennt er am Ende seine Gitarre, als “Opfer”. Als er beim legendären Woodstock-Festival auftritt und mit einer heftig umstrittenen Interpretation der US-Nationalhymne diese zur kreischenden Anklage gegen die US-Regierung und den Vietnamkrieg nutzt, da hat er bereits Probleme mit der Justiz.
Einerseits setzt er mit seiner Musik neue Maßstäbe, wird gefeiert, hebt immer mehr ab, flippt oft aus, konsumiert hemmungslos Alkohol, auch harte Drogen und Sex. Er verliert auf der Höhe seiner frühen Karriere immer mehr die Bodenhaftung und steht des öfteren so unter Strom, dass er auch katastrophale Auftritte abliefert, daneben aber ebenso immer wieder musikalische Glanzpunkte setzt. Und immer häufiger hat der Musiker nach seinen Auftriten und Exzessen Depressionen.Im Sommer 1970 startet Jimi Hendrix zu einer Tour durch die USA und Europa. Nach der Isle of Wight, Stockholm, Kopenhagen und Berlin geht es am 5. September nach Fehmarn, wo das Love & Peace-Festival im Sturm, Regen und Schlamm steckt. Weshalb der Hendrix-Auftritt auf den Morgen des Folgetags (6. September) geschoben wird. Jimi liefert dort ein wahnsinnig gutes Konzert ab, sein letztes.
Jimis letzter Auftritt sollte eigentlich schon am 5. September stattfinden, dem zweiten Tag - ein Sonnabend - des “Love-and-Peace-Festivals” auf Fehmarn. Gut dass ich schon damals nicht gerade aufs Campieren eingestellt war wie viele andere meiner Generation. Ich hatte mir in der Nähe des Festival-Areals ein Pensionszimmer genommen. Und das sollte sich damals als Glücksgriff herausstellen, denn entgegen den üblichen Wettergewohnheiten auf der Ostseeinsel in diesem Zeitraum war es nicht trocken und sonnig, sondern stürmisch und regnete in Strömen. Ein Wetter, bei dem man keinen Hund auf die Straße jagt. Aber ich wollte viele der bei diesem Festival angesagten Bands einfach live erleben, sie fotografieren und auch drüber berichten. Das Pensionszimmer bewirkte jedenfalls, dass ich geordnet im Trockenen übernachten und mich aufwärmen konnte. Denn die Witterungsbedingungen beim Love-and-Peace-Festival waren eine Katastrophe. Wie übrigens die Organisation des Ereignisses auch. Denn schon in der Nacht vor Beginn des Festivals hatten üble Rocker der “Hell’s Angels” aus der Hamburger Gegend auf Fehmarn die Szene “aufgemischt”, sich mit Hippies und engagierten Ordnern (das sollten, so glaube ich mich zu erinnern, iranische Studenten aus Deutschland machen) heftige Schlägereien geliefert. Die Rocker erzwangen von den Veranstaltern, selbst als Festival-Ordner zu fungieren. Und machten das schikanös und willkürlich. Ohne dass die Polizei eingreifen konnte. Jimi Hendrix hatte am Freitag noch einen Auftritt beim Berlin Super Concert 70. Eigentlich soll das in der dortigen Waldbühne stattfinden, doch weil das Wetter wie in Fehmarn so schlecht war, hatte Veranstalter Fritz Rau das Berliner Spektakel in die Deutschlandhalle verlegt. Auf Fehmarn gab es keine solche “Unterschlupf-Möglichkeit” für ein Festival mit Zigtausenden. Also mussten sich die Fans selbst schützen - unter Regenschirmen, Zeltplanen, irgendwelchen Provisorien. Viele schlugen ihre Zelt direkt auf dem Festivalgelände auf, sogar in Bühnennähe.
Schon am Freitag hatte es Programmänderungen und Absagen auf Fehmarn gegeben, sehr zum Unmut der Besucher, Auch am Samstag waren Tausende durchgefrorene Fans sauer, weil Auftritt abgesagt wurden, durch den Sturm und die Unzulänglichkeiten der Soundtechnik viele Darbietungen schlecht zu hören waren. Das Wetter besorgte den Rest. Jimi Hendrix war zwar am Sonnabend auf Fehrmarn eingetroffen. Aber Roadmanager des Musikers überflogen per Hubschrauber das Festivalgelände, sahen dort vor der Bühne jede Menge kleiner Zelte und drohten dem Veranstalter: “Jimi würde nicht auf einem Campingplatz auftreten…” Die Zelte vor der Bühne sollten verschwinden. Jedenfalls wurde der Jimi Hendrix-Auftritt auf den Sonntagmorgen (6. September) verschoben, die Fans räumten ihre Zelt in Bühnennähe und Interpreten wie Mungo Jerry und Canned Heat hielten die Fans einigermaßen bei Laune.
Ein Teil der “Ordnungs-Rocker” campierte nachts unter der Festivalbühne, machte dort allerdings ein Lagerfeuer zum Aufwärmen und verfeuerte dabei einfach Teile der Bühnenkonstruktion. Am Sonntagvormittag war das Wetter auf Fehmarn zwar windig und kühl, aber zunächst trocken und sonnig. Alles wartete auf den Superstar Jimi Hendrix. Der traf zwar am späten Vormittag auf dem Festivalgelände ein, zog sich dann aber in einen Wohnwagen zurück. Erst mit zweistündiger Verzögerung betrat Jimi Hendrix dann mit seinen Musikern Billy Cox und Mitch Mitchell die inzwischen provisorisch reparierte Festivalbühne. Als er vom Publikum nicht nur mit Beifall sondern vereinzelt auch mit Pfiffen und Buhrufen empfangen wurde, konterte der Musiker zunächst mit beleidigenden Sprüchen, entschuldigte sich dann aber doch und liefert am Ende ein wirklich gutes Konzert von rund anderthalb Stunden ab. Es war sein letztes Konzert, nachdem er sofort wieder aus Fehmarn verschwand und nach London düste, wo er wenige Tage später starb….
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Feuerwerk der Emotionen: Andrea Berg ist auf dem Gipfel ihres Erfolges
26.2.2008 von Lucky Sultan.
Sie ist die erfolgreichste deutsche Sängerin, hat in den deutschen Top 100 Charts der Alben selbst die Beatles und Pink Floyd auf die Plätze verbannt. Riesige Konzerthalle zu füllen, ist für sie aktuell kein Problem. Sie ist ein Phänomen, sorgt in ihren Tournee-Orten für Staus, aber bei ihren Konzerten können ihre musikalischen Streicheleinheiten ein Feuerwerk der Emotionen auslösen. Sie wird eigentlich der Schlagerszene zugerechnet, ist aber längst bei der jungen Partyszene angekommen - mit ihren Hits, die Partyknaller und Fetenhits auch noch sind. Die große Frau mit rotbrauner Mähne, dem ewigen Mini, den hochhackigen Overknees und den schon kultigen Hits ist immer die Selbe: Andrea Berg.

Erlebt habe ich Andrea Berg (Bild / Fotos: Marcus Scheidel / TLZ) bereits bei verschiedenen Auftritten, meist riesigen Veranstaltungen. Doch das Konzert im Rahmen ihrer aktuellen Tournee hat doch einige Maßstäbe gesetzt - zumindest für die deutschsprachige Musikszene. Ich war in Erfurt dabei, auch backstage, habe darüber nicht nur in meiner Tageszeitung, der TLZ, und in meinem Backstage-Weblog auf der TLZ-Homepage geschrieben. Ich will mich auch hier mit dem Phänomen Andrea Berg auseinandersetzen.
Man muss wohl so ein Konzert oder vielleicht sogar mehrere davon erlebt haben. Da reisen ganze Fan-Clubs und -Delegationen in fortgeschrittenen Jahren an, Kinder werden mitgenommen und das Gastspiel wird als Familien-Event konsumiert. Auf den Zufahrtsstraßen der Messehallen sind Staus angesagt, kein Wunder, wenn die Schallmauer von 10.000 Besucher locker erreicht wird, vorausgesetzt die Kapazitäten lassen das zu. Und die Fans werden in einen emotionalen Sog gezogen, feiern in einem Stau der Gefühle die Sängerin, die eigentlich die meisten Songs immer im gleichen oder zumindest ähnlichen Sound abliefert. Für den sorgt seit einigen Jahren der Produzent Eugen Römer.
Andrea Berg hat fast alle Hits in den letzten Jahren im gleichen Strickmuster gesungen - von Liebe, Sehnsucht, Freude, Enttäuschung, vom Verlassensein und glücklichen Momenten. Es sind immer irgendwie Beziehungskisten, die dort thematisiert werden. In die sich aber vor allem Menschen mit etwas Lebenserfahrung reindenken können, eben solche, die schon einige Tage auf dieser Welt unterwegs sind.
Nun ist die Sängerin Anfang 40, seit einiger Zeit mit einem Fußballmanager wieder unter der Haube, aber wenn sie auf die Bühne kommt, dann stets im Mini-Mini, meist in Stiefeln, mal in hochhackigen Overknees, und auch an einer heißen Corsage lässt es die gebürtige Krefelderin nicht fehlen. Immer betont sexy, ein Hauch von etwas verrucht - die weiblichen Fans tolerieren das, die männlichen wollen es - überwiegend? - darüber gibts wohl keine Erhebungen.
Andrea Berg ist auf der Höhe ihrer Erfolge, hat eigentlich abgeräumt, was es in Deutschland zu holen gibt. Sie ist auf dem Gipfel ihrer Karriere, da ist nicht mehr viel zu toppen. Und sie genießt das alles, aber in den großen Konzerten gibt sie sich immer wieder verblüfft, gerührt angesichts der Zuneigung ihrer Fans. Das ist wohl nicht gespielt, sondern wirklich ehrlich gemeint. Sie kann es manchmal eben selbst nicht begreifen.
Mit ihren Gesten steuert sie das Publikum. Die Fans gehen im Gefühlstaumel und im Schunkeldunkel der Hallen wie berauscht mit, lassen sich in einer Woge der Begeisterung mitreißen. Selbst die junge Generation kennt sie, denn ihre Hits sind längst Partykracher geworden. Wenn sie sich - was niemand weiß - in einigen Jahren aus dem Rampenlicht etwas zurückzieht, dann werden wohl viele ihrer Erfolgstitel als Gassenhauer in der Partyszene munter fortleben.
Irgendwann trällern sie dann jene kleinen Kinder, die heute auch schon mit ihren Eltern (oder manchmal sogar den Großeltern) in den Konzert dabei sind, dann vielleicht sogar mit auf die Bühne geholt werden, um nach dem jeweiligen Finale dann mit Mohrenköpfen, Autogrammen und Postern belohnt zu werden. Und wenn am 5. Juli die Freizeitanlage Fautenhau in Kleinaspach nahe Stuttgart Zigtausende mit Kind und Kegel aus der Republik anlockt, weil dort, wo Andrea Bergs Mann mit seiner Familie eine beliebte Hotelanlage betreibt, dann das große Jahres-Open-Air steigt. Und die Gefühle haben dann keine Schweigepflicht beim Berg-Fest von Deutschlands erfolgreichster Sängerin überhaupt…
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Solidarität: Jugendliebe-Protest gegen ein Vorhaben, das zum Himmel stinkt
19.2.2008 von Lucky Sultan.
Der Ferienpark Feuerkuppe in Straussberg nahe Sondershausen ist eine überregional bekannte wie beliebte Jugend- und Kindereinrichtung, wo seit vielen Jahren Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, aber auch Familien Ausflugs- oder Ferienaufenthalte verbringen. Der Ferienpark Feuerkuppe gehörte zu den ersten Jugendeinrichtungen von bundesweit rund 5000, die das Drei-Sterne-Qualitätsmanagement verliehen bekommen haben. Fast 50.000 Übernachtungen gab es allein dort im vergangenen Jahr. Der Ferienpark spielte zu DDR-Zeiten eine Schlüsselrolle in der Karriere der beliebtesten Sängerin Ostdeutschlands, Ute Freudenberg. Denn eigentlich wurde Ute eben dort im Ferienpark bei Straussberg in Jugendjahren entdeckt. Jetzt kehrte die Kult-Sängerin und “Jugendliebe”-Interpretin in den Ferienpark zurück, um Solidarität zu zeigen. Solidarität mit dem Ferienpark gegen ein Vorhaben, das eine Bedrohung für die Jugendeinrichtung werden könnte, ein Projekt, das buchstäblich zum Himmel stinkt, wenn es denn realisiert wird….

Denn in der Nähe des Ferienparks bei Immenrode soll eine industriemäßige Schweinemastanlage entstehen, die in der Zukunft den Fortbestand der traditionsreichen und beliebten Kinder- und Jugendeinrichtung gefährden könnte. Gegen die geplante Anlage eines niederländischen Investors gibt es erhebliche Widerstände unter den Ferienpark-Betreibern, Bewohnern in der Region, aber auch unter Kommunalpolitiker und Geschäftsleuten der Region. Sogar eine Bürgerinitiative ist aktiv. Der Protest richtet sich übrigens nicht generell gegen landwirtschaftliche Produktion, die in dieser ländlichen Gegend allgegenwärtig ist.
Es gibt in der Nähe des Ferienparks bereits eine Schweinemastanlage, eine Ferkelaufzuchtanlage sowie eine Putenmastanlage mit jeweils nicht unerheblichen Tierbeständen. Aber durch diese gewachsenen Einrichtungen gab und gibt es keine Probleme, also dagegen auch keinen Bürgerprotest. Ganz anders im Fall der geplanten Schweinemastanlage für rund 13.000 Borstentiere, und dieses Vorhaben agrarindustrieller Größenordnung soll auch noch in einem “Vorbehaltsgebiet für Fremdenverkehr” errichtet werden. Der Jugendhilfeausschuss des dort zuständigen Kreistages hat bereits eine Resolution an das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar geschickt.
Die Kritiker des Vorhabens befürchten, dass die Grenzen der Zumutbarkeit und Belastbarkeit durch die geplante Mastanlage überschritten werden. Gülletransporte auf die Felder in der Nachbarschaft als zusätzliche Belastung und in einer Größenordnung, die es dort bis jetzt so nicht gab, dann die aus der Gülleausbringung folgende Nitratbelastung für Wasservorkommen und schließlich die Massentierhaltung selbst - das alles sind die schwer wiegenden Kritikpunkte der vielen Gegner.
Ja - und was hat die Sängerin Ute Freudenberg damit zu tun? Es war 1971, da wurde Ute als junges Mädchen in eben diesem Ferienpark, damals ein FDJ-Ferienlager, entdeckt. Man wurde auf ihre Stimme aufmerksam, oder besser konkret der damalige Chef des sogenannten Lagerfunks. Da wurde prompt eine Probeaufnahme im “Funkraum” gemacht, Ute war gerade 15. Aber es war der Anfang einer großen Musikkarriere, die mit der “Jugendliebe” den Kultsong der Ostdeutschen schlechthin markierte und die bis heute mit vielen Erfolgstiteln der Weimarer Sängerin ihre Fortsetzung fand. Ute Freudenberg hat jetzt den Ferienpark Feuerkuppe besucht, Solidarität gezeigt, vielleicht nützt es ja. Jedenfalls sind sich Ute und viele Menschen in der Region um Straussberg und Immenrode im Kyffhäuserkreis einig - aus der geplanten “Schweinerei” soll nichts werden…
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Bundesvision Song Contest: Aufschwung Ost und plötzlich ist die Mauer in den Köpfen
17.2.2008 von Lucky Sultan.
Es war natürlich alles sehr spannend beim Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab. Ein derartiges Herzschlagfinale hatte es noch nicht gegeben. Das letzte Ländervotum brachte die Entscheidung für die Brandenburger Folk-Metal-Band “Subway to Sally” - mit einem Pünktchen Vorsprung vor “Clueso” aus Thüringen, der bis dahin über weite Strecken geführt hatte. Platz 1 an Brandenburg, Platz 2 nach Thüringen, Platz 3 Sachsen-Anhalt und Platz 5 Mecklenburg-Vorpommern. Nur die Sachsen mussten sich abgeschlagen mit der Schlusslicht-Laterne zufrieden geben. Wenn das in der Gesamtbilanz kein Aufschwung Ost ist, was denn dann? Die Sache hat nur einen Haken oder sogar zwei: Wenn so die Suche nach dem echten Bundesfavoriten läuft, dann ist das zwar für alle ziemlich werbewirksam und vielerorts ein Fetenspaß. Nur dass bei dieser Art von Länderwettstreit ”Stolpersteine” ins Spiel kommen. Und in manchen Köpfen sich sogar “Mauern” bilden. Lieber Stefan Raab, Du möchtest ein Wegbereiter für den Grand Prix sein, sorgst auch für viel Popularität, aber warum geht das nicht ohne Stolpersteine…
Man muss nicht darüber lamentieren, dass der Bundesvision Song Contest für (fast) alle Teilnehmer eine tolle Plattform zur Selbstdarstellung war. Die meisten Künstler können am Ende - egal wie sie abgeschnitten haben - von der öffentlichkeitswirksamen Präsentation profitieren. Daran ist nichts auszusetzen.
Und man darf Stefan Raab auch die gute Absicht unterstellen, denn er wollte wohl seinem Spektakel schon einen Hauch von Grand Prix verpassen - Euro-Hymne, Aufmarsch mit den Landesflaggen, dazu kurze Vorstellungen der Bundesländer. da war die redliche Absicht zu erkennen. Und eine Musik, die wirklich die breite Masse der Jugend in der Republik erreicht - mit Songs in deutscher Sprache, das verdient Respekt.
Doch dann der große Stolperstein: Dieses Abstimmungssystem ist eine Katastrophe, bedient es doch total den auch noch organisierten Länderegoismus. Irgendwie bringen wir unsere Länderkandidaten schon durch, natürlich mit der höchsten Punktezahl daheim, so das Prinzip. Meistens jedenfalls, nur die Nordrhein-Westfalen hatten das noch nicht ganz geschnallt, warum sie die “eigene” Formation auch “nur” auf Platz 2 beförderten, dafür die Brandenburger Siegerband an die Spitze holten. Das gab dann am Ende auch den Ausschlag.
Mal abgesehen davon, dass ja die Länder doch sehr unterschiedlich groß sind und am Ende doch eigentlich der oder die beliebtesten Künstler als Bundessieger gekürt werden sollen, was aber bei dieser Form der Länderabstimmungen ja nicht wirklich funktioniert, geht es bei dieser Art von erklärtem Ländereifern natürlich auch um das Geschäft, was noch so dran hängt. Außerdem wäre doch die echte bundesweite Addition der tatsächlichen Stimmen viel zu einfach und nicht spannend genug. Also muss der Länderegoismus bedient werden.
Ein Vergleich zu einer Sportlerwahl liegt da nahe. Man stelle sich vor, es würde bundesweit der beste Sportler des Jahres nach der Publikumsgunst gesucht. Jedes Land entscheidet sich dann für einen eigenen Länderfavoriten und versucht eben den nach dem Raab-Muster und Bundesvision-Prinzip durchzuboxen. Weil es ja nicht drum geht, den wirklich besten oder beliebtetsten in der bundesweiten Publikumsgunst zu finden, sondern darum, sich als Land zu behaupten. Da würden sich manche über den so ermittelten Bundessieger ganz schön wundern.
Nein - es geht eigentlich nur so, dass ein Land nicht für den eigenen Kandidaten voten darf, sondern nur über die Reihenfolge aller anderen Finalteilnehmer zu befinden hat. Ganz kann dann zwar auch ein taktisches Abstimmungsverhalten nicht ausgeschlossen werden, etwa der Schulterschluss von Nachbarn oder die Solidarität etwa der neuen Länder. Aber ganz sicher ist dann das Gesamtresultat ein etwas anderes - weil alle die Stimmen, die bei Raab etwa für den jeweiligen Kandidaten im eigenen Land verbleiben, auf die anderen Kandidaten verteilt würden.
Statt dessen wurden diesmal vor allem die “Grabenkämpfe” der Länder bedient. Nach dem Motto Zuerst wir, dann die anderen. Darüber können auch nicht viele freundlichen Worte täuschen, wenn aus den Länderabstimmungen dann spendabel die Punkte an die Kandidaten der anderen Länder gereicht werden. In Wirklichkeit werden bei diesem Abstimmungsmodus die lautstarken “Fankurven” der Länder organisiert. Da sind plötzlich Rufe nach der Mauer auszumachen. Vielleicht getrennte Vorentscheidungen, damit die neuen Länder nicht so gemeinsame Sache machen? Und in den Köpfen vieler mobilisierter Fans verhindert eine dortige “Mauer” - nicht unbedingt die zwischen Ost und West, sondern eine um jedes Bundesland, es soll doch ein richtiger Länderwettstreit sein, bitteschön - zu sehen, dass es eigentlich darum geht, den gemeinsamen Sieger zu ermitteln, der dann auch geeignet sein sollte, international zu punkten, zu überzeugen, die Publikumsgunst zu erobern - möglichst ohne taktisches Gezerre, sondern allein mit einem überragenden Song und einer überwältigenden Performance. Auch dabei darf dann gerne eine Mittelalterrock-Formation wie “Subway to Sally” oder eben “Clueso” oder wer auch immer gewinnen. Am besten, es würde der Interpret oder die Gruppe gewinnen, die wirklich die meisten Stimmen (per Ted) bundesweit bekommt. Vielleicht ja beim nächsten Mal? Vielleicht, nachdem wir uns beim Eurovision Song Contest über taktische Bündnisse, nachbarschaftliche Schulterschlüsse und die Egoismen der Länder einmal mehr geärgert haben…
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Big Business: Laurel & Hardy bekommen Stummfilmmusik aus Weimar
10.2.2008 von Lucky Sultan.
Er gehört zu einer bekannten Weimarer Musikerfamilie, hat richtig was auf dem Kasten (und in den Fingern), schon mehrere Auszeichnungen ergattert. Er ist Sänger, Pianist, Komponist und Arrangeur. Und lernt immer noch dazu. Aktuell ist die Jazzpianistin und Komponistin Maria Baptist seine Lehrerin. Aber am kommenden Valentinstag, da hat Er einen großen Tag, denn in einem historischen Kino in Luxemburg gibt es dann eine Uraufführung mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Dirigent wird der Belgier Ivan Meylemans sein. Doch das Musikstück hat Er komponiert: Clemens Rynkowski aus Weimar. Die Komposition ist eine Stummfilmmusik für ein Meisterwerk der Filmgeschichte. “Big Business” mit Laurel & Hardy. Der berühmte Streifen ist aus dem Jahre 1929. Die Komposition von Clemens Rynkowski aus 2008, und der Komponist gerade 29 Jahre jung…
Die Stummfilmmusik von Clemens Rynkowski ist etwa so lang wie der historische Streifen - gute 20 Minuten lang. Der Weimarer hat eine Komposition für eine kleiner Besetzung geschrieben, denn in dem historischen Kino in Luxemburg, wo die Uraufführung am Valentinstag über die Bühne gehen wird, ist nur Platz für 15 Musiker. Die große Besetzung der Luxemburger Philharmoniker würde da auch nicht gehen.

Wer ist nun dieser Clemens Rynkowski aus Weimar? Die Mutter ist Professorin an der Musikhochschule “Franz Liszt” Weimar, sein Vater ist ebenfalls Profimusiker, der Frontmann der Formation “Rest of best” aus der Klassikerstadt. Clemens Rynkowski selbst hat sein Klavierstudium an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Sorin Enachescu und Prof. Linde Großmann absolviert. Seit 2004 macht der freischaffende Pianist, Sänger, Komponist und Arrangeur auch noch ein Studium für Komposition und Jazzklavier an der Hochschule für Musik “Hans Eisler” bei Prof. Maria Baptist.
Clemens Rynkowski ist musikalisch auf verschiedenen Betätigungsfeldern erfolgreich zu Hause, wirkt(e) in verschiedenen Ensembles mit: “salonorchesterweimar”, “Global Warming Brothers”, “Junges Rahlstedter Kammerorchester”, “Combo Deluxe”. Schon 1999 holte Clemens einen 3. Preis beim Bundeswettbewerb “Jugend musiziert”. 2002 gab es den Bundespreis der Firma Grotrian-steinweg für besonders ausdruckstarkes Klavierspiel. Und zusammen mit dem “salonorchesterweimar” gewann er 2003 den Kleinkunstpreis “Ravensburger Kupferle”. 2005 wurde der Musiker als “Künstler des Jahres 2005” vom gedu-Verlag ausgezeichnet.
Konzertreisen brachten Clemens Rynkowski schon nach Schweden, Finnland, Holland, Österreich, Tschechien, Mexiko und in die USA. Er hat bereits mehrere Auftragswerke für Großes Orchester geschrieben, außerdem Stücke für Kammerensembles, Bigband, Streichquartette, Film-, Hörspiel- und Theatermusiken. Die Stummfilmmusik für “Big Busienss” mit Laurel & Hardy (”Dick und Doof”) ist auch ein Auftragswerk. Auftraggeber ist das Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Man darf gespannt sein, wie die zeitgenössisches komposition sich mit dem historischen Stummfilm-Streifen aus dem Jahre 1929 verträgt. Sechs Aufführungen sind aktuell schon geplant in Luxemburg. Vielleicht ist ja demnächst auch ein Gastspiel der Luxemburger Philharmoniker in der Klassikerstadt Weimar drin, Stummfilmmusik von Clemens Rynkowski inklusive…
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